Man sieht eine symbolische Familie, die in aufgeklappten Händen liegt
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Familienleben

Wofür bin ich meinen Eltern dankbar?

22.11.2024

Meine Familiengeschichte weist die Besonderheit auf, dass meine Vorfahren sogenannte „Spätaussiedler“ sind, also deutsche Kolonisten, die im 18. Jahrhundert in das russische Zarenreich auswanderten und gegen Ende des 20. Jahrhunderts wieder als Rückkehrer nach Deutschland zurückkamen.

Aufgrund unterschiedlichster Gründe hatten meine Eltern nicht die Möglichkeit höhere Bildungsabschlüsse zu erlangen. Somit wuchs ich in einem Nichtakademiker-Haushalt mit Migrationshintergrund auf. Dies machte sich spätestens ab der Grundschule bemerkbar. Obwohl ich in Deutschland geboren bin, waren meine Deutschkenntnisse nicht so gut ausgeprägt wie die meiner Mitschüler. Hinzu kam, dass meine Eltern mir beispielsweise ab der dritten Klasse und spätestens auf der weiterführenden Schule nicht mehr bei den Hausaufgaben helfen konnten. Ergo: die akademische Förderung war nur eingeschränkt möglich, ich hatte in dieser Hinsicht keine Vorbilder und somit einige biografische Hürden zu überwinden.

Trotzdem studiere ich aktuell an einer privaten Hochschule auf Masterniveau, werde von einem Begabtenförderungswerk gefördert, studierte ein Semester an einer Universität in Schottland, arbeite für einen Professor an unserer Hochschule und bin glücklich verheiratet. Wie ist das möglich? Hier kommen maßgeblich meine Eltern wieder ins Spiel. Sie entschieden sich dazu, dass meine Mutter in Vollzeit Zuhause bei mir und meinen drei Geschwistern blieb, obwohl mein Vater noch im Niedriglohnsektor arbeitete.

Entscheidend waren nicht akademische Förderungen, finanzielle Sicherheit oder sonstige Fördermöglichkeiten, sondern der Umstand, dass meine Eltern für uns Kinder da gewesen sind. Meine Mutter hat uns, gerade in der ersten Sekundarstufe, stets motiviert die Hausaufgaben zu machen. Sie hat sich dazugesetzt und mir gut zugesprochen. Bei Englischvokabeln, Algorithmen-Berechnungen oder Ähnlichem konnte sie nicht helfen. Aber sie war da, sprach uns Mut und Wertschätzung zu und motivierte uns auf individuelle Weise immer wieder dran zu bleiben – auch wenn es nicht immer einfach war.

Ich gehe fest davon aus, dass diese sehr niedrigschwellige Förderung einer der entscheidendsten Faktoren für die Entwicklung meiner Geschwister und mir ist – nicht mehr und nicht weniger. Meine Eltern haben es uns ermöglicht, selbstständige und belastbare Säulen unserer Gesellschaft zu werden, die ihr Potential wiederum für die Gesellschaft investieren und sie gemeinsam gestalten können. Ich kann nur Mut machen, Familien als die Keimzellen der Gesellschaft zu stärken und zu unterstützen. Ich kann nur erziehenden Eltern Mut machen, für ihre Kinder da zu sein. Ihr seid als Eltern im wahrsten Sinne des Wortes die „Brutkästen“ der zukünftigen Verantwortungsträger. Vielen Dank Mama und Papa!

David Giesbrecht

Autor:
David Giesbrecht ist 28 Jahre alt und Student der evangelischen Theologie. Er ist verheiratet und hat noch keine Kinder.

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