Vater liest Baby aus Buch vor
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Familienleben

Wie Väter Elternzeit selbstbewusst nutzen können

27.11.2025

Noch vor wenigen Jahren war es eine Ausnahme, wenn ein Vater Elternzeit nahm. Heute ist das Bild vielfältiger, und doch zeigt die Realität, dass viele Väter noch immer zwischen Beruf, Familienleben und gesellschaftlichen Erwartungen jonglieren. 

Dabei ist Papazeit längst mehr als ein nettes Extra. Es geht um Verantwortung, um Gleichberechtigung und um die Chance, Familie und Beruf wirklich neu zu denken.

Elternzeit flexibel nutzen

Nach dem Bundeselterngeld und Elternzeitgesetz haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Anspruch auf Elternzeit bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres ihres Kindes. Bis zu 24 Monate dieser Zeit können auf den Zeitraum zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes übertragen werden. Dafür ist keine Zustimmung des Arbeitgebers erforderlich, es gilt jedoch eine längere Ankündigungsfrist. Für Elternzeit bis zum dritten Geburtstag muss diese spätestens sieben Wochen vor Beginn beim Arbeitgeber angemeldet werden, für Elternzeit zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag beträgt die Frist 13 Wochen. Seit Mai 2025 genügt für Kinder, die ab diesem Zeitpunkt geboren wurden, die Textform, also etwa eine Anmeldung per E-Mail oder elektronischem Dokument. Zuvor war die Schriftform mit eigenhändiger Unterschrift erforderlich. Arbeitgeber dürfen die Inanspruchnahme von Elternzeit nicht ablehnen, können aber im Rahmen der gesetzlichen Regelungen Einfluss auf den konkreten Zeitraum nehmen, wenn betriebliche Gründe entgegenstehen.

Elterngeld sichert Einkommen

Finanziell unterstützt der Staat mit dem Elterngeld. Dieses beträgt in der Regel 65 bis 67 Prozent des durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommens der letzten zwölf Monate vor der Geburt, mindestens 300 und höchstens 1800 Euro im Monat. Wer während des Elterngeldbezugs in Teilzeit arbeitet, kann Elterngeld Plus beantragen. Dadurch lässt sich die Bezugsdauer verlängern, während das monatliche Elterngeld geringer ausfällt. Besonders attraktiv ist die Kombination, wenn beide Elternteile sich an der Betreuung beteiligen. Wenn beide in mindestens vier aufeinanderfolgenden Monaten parallel zwischen 24 und 32 Stunden pro Woche arbeiten, können sie den sogenannten Partnerschaftsbonus erhalten.

Väterzeit ist mutig

Trotz dieser rechtlichen Möglichkeiten ist der Weg zur gelebten Gleichberechtigung noch lang. In vielen Unternehmen wird die Beteiligung von Vätern zwar offiziell unterstützt, in der Praxis aber teilweise skeptisch betrachtet. Wer nur zwei Monate Elternzeit nimmt, gilt als modern, wer länger pausiert, riskiert noch immer den Ruf, weniger karriereorientiert zu sein. Dabei schützt das Gesetz eindeutig. Nach dem BEEG besteht während der Elternzeit Kündigungsschutz. Er beginnt frühestens acht Wochen vor Beginn der Elternzeit und dauert bis zu deren Ende an. Auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet jede Benachteiligung wegen der Wahrnehmung von Familienpflichten. Eine Kündigung oder Schlechterstellung wegen Elternzeit oder Teilzeit ist daher unzulässig.Hier sind nicht nur Politik und Gesetzgeber gefragt, sondern vor allem Arbeitgeber. Eine Unternehmenskultur, die Väter in ihrer Rolle stärkt, schafft Chancengleichheit für beide Elternteile. Wenn Väter Verantwortung übernehmen, entlastet das Mütter, fördert Partnerschaftlichkeit und führt zu einer gerechteren Aufteilung von Erwerbsarbeit und Sorgearbeit.

Gleichberechtigung: Recht auf Vaterzeit

Auch im Familienrecht wird dieser gesellschaftliche Wandel immer sichtbarer. Gerichte berücksichtigen zunehmend, wie stark beide Elternteile in die Betreuung eingebunden sind. In Fragen des Sorgerechts und des Umgangsrechts spielt die tatsächliche Erziehungspraxis eine immer größere Rolle. Damit rückt die aktive Vaterrolle stärker in den Mittelpunkt gerichtlicher Entscheidungen. Wenn Väter Elternzeit nehmen, ist das kein Karriereknick, sondern ein Gewinn – für Kinder, die von präsenten Vätern profitieren, für Mütter, die Gleichberechtigung wirklich erleben, und für Unternehmen, die moderne Familienpolitik leben und Fachkräfte langfristig binden wollen. Papazeit ist weit mehr als ein paar Wochen Familienidylle. Sie ist ein gesetzlich geschütztes Zeichen für Verantwortung, Gleichberechtigung und modernes Zusammenleben. Vielleicht ist sie sogar der Schlüssel zu einer Arbeitskultur, in der Familie und Beruf endlich selbstverständlich zusammengehören.

Ulrike Schmidt-Fleischer

Autorin:
Ulrike Schmidt-Fleischer, Rechtsanwältin und Notarin, Mutter zweier Kinder
www.schmidt-recht.de

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