Eine Mutter blättert mit ihrem kleinen Sohn in einem Bilderbuch
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Familienleben

Von ersten Lauten zu klaren Worten

13.01.2026

Logopädin Sarah Rausch im Interview zur kindlichen Sprachentwicklung

Die Logopädin und KISS-Sprachexpertin Sarah Rausch erklärt im Interview, wie Eltern die Sprachentwicklung ihres Kindes von Anfang an fördern können und wann es ratsam ist, professionellen Rat einzuholen.

Worauf sollten Eltern bei der Sprachentwicklung achten?

Um überhaupt ins Sprechen zu kommen, ist die wichtigste Voraussetzung ein gutes Gehör. Von Anfang an sollten Eltern sicherstellen, dass ihr Kind ausreichend hört und bei vermehrten Mittelohrentzündungen hellhörig werden und dies bei einem HNO-Arzt oder Pädaudiologen abklären lassen. Eingeschränktes Hören wirkt sich häufig auf die korrekte Aussprache und Grammatikentwicklung aus, da Endungen oft nicht richtig wahrgenommen werden können wie z.B. bei den oder dem.

Wie kann ich als Elternteil die Sprachentwicklung unterstützen?

Sprachentwicklung passiert von Anfang an. Schon im Mutterleib können Babys ab ca. der 20. Schwangerschaftswoche erste Geräusche wahrnehmen und ab dem dritten Trimester auch schon einzelne Stimmen zuordnen. Auch mit einem Neugeborenen sollte regelmäßig gesprochen werden, auch wenn die Reaktionen zu Anfang noch sehr minimalistisch ausfallen. Beim Miteinander-Sprechen ist der Blickkontakt sehr wichtig. Das Baby schaut sich bereits erste Mundbewegungen ab und erkennt auch die einzelnen Stimmungen des Gesprächspartners.

Wenn das Gesprochene langsam und deutlich und mit viel Varianz in der Stimme gesprochen wird, können besonders kleine Kinder der Sprache gut folgen. Werden Handlungen im Alltag sprachlich begleitet, erlangt das Baby stetig neue Wörter und wird sie nach vielen Wiederholungen auch irgendwann selbst verwenden.

Regelmäßige Bilderbuchbetrachungen ermöglichen immer wieder verschiedene Gesprächsanlässe. Dabei kommt es nicht darauf an, den Buchtext strikt zu verfolgen, sondern mehr darauf über die dargebotenen Bilder zu sprechen und sich zu verständigen.

Spricht das Kind dann mehr, ist es wichtig, es ausreden zu lassen und ihm Zeit fürs Sprechen zu geben. Falsche Lautverwendungen oder fehlende Wörter im Satz können durch sogenanntes „korrektives Feedback“ verbessert werden. Das falsch gesprochene Wort wird dann in einem natürlichen Kontext richtig wiederholt, so dass das Kind die Möglichkeit hat, das Wort noch einmal richtig zu hören z.B. „is war heute im Tinderdarten“, „ja stimmt, du warst heute im Kindergarten“.

Wann sollten Eltern alarmiert sein und Unterstützung suchen?

Wenn ein Kind im Alter von 2 Jahren noch keine 50 Wörter und Zweiwortsätze aktiv spricht, sollten Eltern sich zunächst beim Kinderarzt beraten lassen. Dieser stellt dann bei Bedarf eine Verordnung für Logopädie aus. Dort kann dann zunächst eine Diagnostik und Beratung zur möglichen Förderung der Sprachentwicklung stattfinden. Im Beisein der Eltern wird das Kommunkationsverhalten des Kindes genau betrachtet und mögliche Strategien zur Erweiterung des Wortschatzes besprochen.

Werden einzelne Laute noch bis vier oder viereinhalb Jahren durch andere Laute ersetzt oder komplett weggelassen, sollte dies ebenfalls beim Kinderarzt angesprochen werden.“

In vielen Kitas in Hessen wird das Kindersprachscreening KISS angeboten, um mögliche Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung rechtzeitig zu erkennen. Ich kann allen Eltern, die die Möglichkeit haben ihr Kind dort dran teilnehmen zu lassen, nur dazu raten, dieses Angebot anzunehmen.

Ich selbst bin seit Januar 2025 Kiss Sprachexpertin für den Main-Kinzig-Kreis und werte die KISS-Bögen einiger Kitas aus.

Sarah Rausch

Autorin:
Sarah Rausch betreut seit mehr als 10 Jahren Patienten in ihrer Praxis für Logopädie in Schöneck.
logopaedie-rausch.de

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