Zwei Frauen und ein Mann unterhalten sich an einem Tisch. Der Raum sieht aus, als ob es ein Klassenzimmer in einer Schule ist.
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Familienleben

Tipps für gute Elterngespräche

12.05.2026

Im Gespräch mit Lerntherapeut Benedikt Wencek

Warum ist ein guter Austausch zwischen Eltern und Lehrkräften so wichtig?
Ein guter Austausch ist unverzichtbar für gegenseitiges Verständnis. Es geht darum, den jeweiligen Handlungsspielraum, aber auch die Grenzen der anderen Seite zu sehen und zu respektieren. Eltern und Lehrkräfte beobachten Kinder in sehr unterschiedlichen Kontexten – die Wahrnehmungen können sich deshalb stark unterscheiden.
Ein Kind kann sich in der Schule sehr anpassen und enorm anstrengen, während sich zu Hause dann Erschöpfung, Bewegungsdrang oder Frust zeigen. Im Extremfall fragt man sich: Reden wir eigentlich über dasselbe Kind? Gerade deshalb lohnt sich der Austausch – auch über kritische Punkte. Nur so entsteht ein möglichst vollständiges Bild, das hilft, das Kind mit all seinen Stärken und Schwächen gezielt zu unterstützen.

Wo entstehen Ihrer Erfahrung nach häufig Kommunikationsschwierigkeiten?
Oft beginnen Probleme mit Missverständnissen. Häufig spielen auch unklare Zuständigkeiten eine Rolle: Eltern denken, etwas hätte in der Schule passieren müssen, Lehrkräfte umgekehrt, dass es zu Hause längst erledigt sein sollte. Das ist nicht immer auflösbar, gerade wenn beide Eltern berufstätig sind. Dann braucht es unbedingt das Gespräch.
Wenn das ausbleibt, können sich offene oder unterschwellige Schuldzuweisungen entwickeln – bis hin zu Vorwürfen oder Verurteilungen. Wenn jede Seite nur ihren eigenen Bereich sieht, funktioniert Zusammenarbeit nicht. Besonders schwierig wird es, wenn Offenheit und Bereitschaft zur Veränderung fehlen und jede Seite erwartet, dass sich ausschließlich die andere bewegen muss. Dann ist Frust vorprogrammiert.

Was empfehlen Sie Eltern für Gespräche mit Lehrkräften?
Ich empfehle Eltern eine grundsätzliche Wertschätzung der Lehrkräfte. Gehen Sie davon aus, dass Lehrerinnen und Lehrer ihr Bestes geben und gute Absichten haben. Geduld, Offenheit und Realismus sind dabei wichtig – Lehrkräfte sind auch nur Menschen.
Schwierige oder kritische Themen sollten möglichst früh angesprochen werden. Wenn es erst einmal gekracht hat, wird es deutlich schwerer. Je früher ein Gespräch stattfindet, desto mehr Raum bleibt für Diplomatie und gegenseitige Wertschätzung.
Wo immer möglich, hilft es außerdem, Dankbarkeit zu zeigen – schon allein dafür, dass sich Zeit für ein Gespräch genommen wird. Sehr hilfreich sind lösungsorientierte Fragen wie: Was können wir gemeinsam tun, um das Problem in den Griff zu bekommen? Das macht deutlich, dass es nur gemeinsam gehen kann.

Sie stehen auch im Kontakt mit Lehrkräften. Welche Tipps ergeben sich daraus für eine gute Kommunikation?
Lehrkräfte fühlen sich sehr wertgeschätzt, wenn man sie offen anspricht und ehrlich nach ihrer Sichtweise fragt: Wie sehen Sie das? Wie schätzen Sie die Situation ein? Im Mittelpunkt sollte dabei immer das Wohlergehen und die Entwicklung des Kindes stehen.
Wichtig ist auch, die Grenzen des schulischen Alltags zu sehen. Wenn man berücksichtigt, wie viele Kinder eine Lehrkraft betreut und welche Anforderungen damit verbunden sind, entsteht mehr Verständnis für das Machbare.
Hilfreich ist es zudem, zu signalisieren, dass man Empfehlungen ernst nimmt. Hypothetische Fragen können Gespräche öffnen, zum Beispiel: Angenommen, das Kind würde im Klassenraum woanders sitzen – wie könnte sich das auf die Mitarbeit auswirken? Solche Fragen führen weg von Schuld und hin zu gemeinsamen Lösungen.

Benedikt Wencek

Autor:
Benedikt Wencek ist staatlich anerkannter Sozialpädagoge, systemischer Berater und Lerntherapeut mit eigener Praxis in Darmstadt-Arheilgen
http://www.fibula-praxis.de/

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