
Nach der Geburt steht oft das Baby im Mittelpunkt, dabei unterschätzen viele Mamas, was ihr Körper nun an Regeneration leisten muss. Rückbildung ist ein Heilungsprozess, der Zeit, Wissen und Unterstützung braucht.
Nach der Geburt gibt es viele Stressoren, die auf mentaler und körperlicher Ebene wirken. Die Hormone spielen verrückt, alles im Körper ist weich, der Schlafmangel kickt, man muss sich in seiner neuen Mutterrolle einfinden und der Mental Load ist hoch. Gleichzeitig muss der Körper heilen. Dies geschieht allerdings hauptsächlich, wenn die Stresslevel niedrig sind. Das steht oft im Gegensatz zum Alltag, bei dem schnell wieder viel geleistet werden muss, wenn der Partner arbeitet und die Mutter allein für Haushalt und Kind verantwortlich ist.
Die Regeneration verläuft meist besser, wenn es neben kontinuierlichem, angepassten Training ausreichend Zeit zur Erholung gibt. Deshalb sollte man als Paar gemeinsam überlegen, welche Aufgaben der Partner übernehmen kann. Beispielsweise könnte er auf dem Heimweg von der Arbeit einkaufen gehen, damit die Frau nicht die schweren Einkäufe und das Baby in den dritten Stock tragen muss. Vielleicht gibt es auch Freunde und Familie, die im Haushalt unterstützen können.
Zur Erholung gehört auch ausreichend Schlaf. Mit einem Neugeborenen ist das in der Nacht oft schwierig. Regelmäßige Bewegung am Tag fördert nachweislich die Schlafqualität und hilft bei der Regeneration. Ein Nickerchen am Tag, wenn das Baby auch gerade schläft, ist keine Schande und auch kein Vernachlässigen des Haushalts und der Pflichten, sondern ein JA zur eigenen Gesundheit. Außerdem kann der Partner auch nachts einen Teil der Babypflege übernehmen, auch wenn die Mutter stillt. Wickeln, in den Schlaf wiegen oder tragen fördert die Bindung und kann der Mutter ein wenig mehr Schlaf geben.
Für die Mutter ist es wichtig, die eigene Gesundheit und das eigene Training zu priorisieren. Auch wenn viel Mental Load da ist („Ich müsste noch das Bad putzen“): stelle Dir einen Timer auf 10 oder 15 Minuten mache Deine Rückbildungsübungen. Lieber mehrmals pro Woche kurz als einmal lang. Beginne das Training schon in den ersten Tagen nach der Geburt sanft mit Wahrnehmungsübungen für Beckenboden und Bauch, steigere nach und nach und nimm später Widerstandsbänder und kleine Gewichte dazu. Schließlich wird dein Baby auch immer schwerer und will von dir getragen werden. Dafür brauchst du starke Arme und eine stabile Körpermitte. Das ist laut aktueller Leitlinie sicher, solange keine Kontraindikationen vorliegen, fördert die Regeneration, stabilisiert die Körpermitte und verbessert den Schlaf.
Erholung nach der Geburt ist die Voraussetzung für langfristige Gesundheit. Wenn Familie und Gesellschaft verstehen, was im weiblichen Körper passiert, kann Rückbildung gelingen. Frauen brauchen nicht mehr gesellschaftlichen Druck, sondern mehr Raum, um stark zurückzukehren.

Autorin:
Carina Gerlach ist Mutter von zwei Kindern, Sporttherapeutin und Gründerin von pelveasy.
www.pelveasy.de
