Elternteil mit trinkendem Kleinkind im Flugzeug
Irina Schmidt – stock.adobe.com
Familienleben

Reisen als Familie: Entspannt fliegen mit Baby & Kleinkind

18.09.2026

Viele Eltern kennen das Thema: Sie möchten gerne verreisen, aber können sich den Reisetrubel mit Kind nur schwer vorstellen. Als Mutter habe ich bereits viele Reisen mit unserer Tochter gemeistert. Daher kenne ich die Hürden, die sich im unpassendsten Moment zeigen können.

Wie können sich Eltern bestmöglich vorbereiten?

Zuerst: realistisch bleiben. Urlaub mit Kindern ist anders, aber nicht schlechter. Vieles hängt von unseren Erwartungen ab und weniger von den Kindern.

Überlegt schon einige Zeit vor der Reise, was ihr im Alltag braucht und schreibt es euch auf. Führt Check- und Packlisten. Je nach Reiseziel und Wetter braucht ihr natürlich andere Kleidung und Equipment. Immer dabei: Gültige Ausweisdokumente (je nach Land brauchen auch Babys einen Reisepass), Versicherungsunterlagen und Reise-Vollmachten (Sorgerecht: Unter adac.de könnt ihr Vorlagen in verschiedenen Sprachen downloaden). Druckt alle Unterlagen für den Flug nochmal aus.

Vor der Gepäckaufgabe solltet ihr die Gepäckstücke fotografieren und eure Kontaktdaten in den Koffer legen. Adressanhänger können schnell mal abreißen und im Falle eines Verlusts wollt ihr das Gepäck ja so schnell wie möglich wiederfinden.

Richtig packen

Packt nicht pro Person einen Koffer, sondern teilt alles Wichtige auf die Koffer auf. Auch Kleidung sollte besser gemischt werden, denn: Sollte ein Koffer verloren gehen, fehlt sonst alles von einer Person. Um die ersten Tage ohne Gepäck trotzdem gut zu überstehen, empfiehlt es sich, in jeden Koffer sinnvolle Kleidungspakete zu packen.
Das Allerwichtigste kommt besser in das Handgepäck. Dazu zählt auch alles, was ihr direkt am Flughafen und im Flugzeug braucht sowie Medikamente und Hygieneartikel. Flüssigkeiten müssen oft separat verstaut werden. Viele Fluggesellschaften sind sehr kulant, was Getränke und Nahrung für Babys und Kinder angeht. Manchmal findet ein besonderer Sicherheitscheck statt.

Was braucht ihr im Flugzeug definitiv und schnell?

Feuchttücher, Spucktücher und Wechselkleidung solltet ihr griffbereit verstauen. Auch Snacks und Getränke helfen beim Druckausgleich. Sogar Stillen ist bei Start und Landung möglich. Richtet euch den Sitzplatz dementsprechend ein und behaltet Wichtiges in eurer unmittelbaren Nähe. Kleine Spielsachen wie Fidget-Toys, aber auch Sticker-Hefte, Knete und kleine Bücher sorgen an Bord für Abwechslung. Kleine Kinder vergnügen sich gerne mit den Bord-Magazinen, die sich auch als Wimmelbuch eignen. Babys und Kleinkinder spielen gerne mit allem, was neu ist. Packt nicht alles auf einmal aus, sondern wartet ab, wenn sich das Kind noch mit einer Sache beschäftigt. Schließlich sollen die Bespaßungen für den ganzen Flug reichen.
Sollten sie nicht gebraucht werden: Denkt an den Rückflug. Beim Aussteigen dann nochmal überall nachschauen, um nichts zu vergessen.

Bildschirme an Bord

Bei Langstreckenflügen reagieren die Monitore oft auf Bewegung oder Berührung. Gerade für kleine Kinder ist das schwierig. Spätestens, wenn Schlafenszeit ist, sollten die Bildschirme bedeckt werden. Fragt einfach nach einer zusätzlichen Decke oder nehmt ein Tuch. Sitznachbarn nehmen bei ihrer Programmauswahl selten Rücksicht auf Kinder. Eltern müssen sich daher etwas einfallen lassen, wenn der Nachwuchs nicht den Thriller vom Vordermann mitschauen soll. Es gibt aber auch extra Kinderprogramme, Musik und manchmal sogar Spiele. Im Idealfall verschläft der Nachwuchs das Spektakel. Ansonsten könnt ihr euch nach Erreichen der Reisehöhe auch frei an Bord bewegen und auf Entdeckungstour gehen.
Denkt daran: Andere Eltern sind in einer ganz ähnlichen Lage und wollen den Flug gut überstehen. Kinder freuen sich über ausgeliehenes Spielzeug, dass oft auch viel spannender ist als das eigene. Und auch die Eltern können sich dann untereinander austauschen und so vielleicht noch den ein oder anderen Tipp erhalten.

Sitzplatz und Sicherheit

Vorsicht geboten ist bei vielen Sitzkonstruktionen, die online beworben werden. Sie sind nicht für den Flugverkehr zugelassen. Dies gilt vor allem für aufblasbare Reisebetten und Co., die die Fluchtwege versperren und eine mögliche Gefahr im Falle einer Evakuierung darstellen. Am sichersten, wenn auch deutlich teurer, ist der eigene Sitzplatz.
Ihr könnt auch schon unter 2 Jahren einen eigenen Sitzplatz für eure Kinder buchen. Das ist sicherer und entspannter, kostet aber leider auch so viel, wie der Platz für eine erwachsene Person. Normalerweise geht das nicht über das Buchungsportal der Fluggesellschaften, sondern muss telefonisch oder per E-Mail abgeklärt werden. Schaut genau im Internet, welche Autositze im Flugzeug zugelassen sind und achtet auf den Aufkleber „For use in Aircraft“. Ansonsten schleppt ihr den Sitz umsonst mit. Es gibt weltweit nur ein offiziell zugelassenes Gurtsystem, was deutlich sicherer ist als der sogenannte „Loop-Gurt“. Je nach Körpergröße ist er leichter zu handhaben und zu transportieren. Nur kennen einige Mitarbeitende in den Fluggesellschaften diesen oft nicht. Dadurch hatte ich schon einige Diskussionen. Letztendlich wurde mein Anliegen immer verstanden und der Flug konnte sicher beginnen.

Alternativ kann für Babys bis zu einem bestimmten Gewicht ein „Baby-Bassinet“ gebucht werden. Auch das muss in der Regel telefonisch abgeklärt werden. Lasst euch die Reservierung schriftlich geben. Ein Garant ist das jedoch auch nicht. Erstens werden die begrenzten „Babykörbchen“ an den Wänden oft nach Alter priorisiert und vergeben und zweitens müssen die Babys bei Start und Landung sowie Turbulenzen auf den Schoß genommen werden. Auf Langstreckenflügen sind diese Babybettchen zwar ganz hilfreich und auch ein sicherer Ort zum Ablegen und Spielen, fest damit rechnen könnt ihr aber nicht.

Good to know: Wickeln im Flugzeug

Die Wickeltische in den Bordtoiletten eignen sich höchstens für kleine Babys. Ansonsten wickelt lieber auf dem Boden vor den Toiletten bzw. den Service-Räumen. Passt nur auf, dass gerade keine Servierwagen unterwegs sind, damit niemand gefährdet wird und die Abläufe an Bord nicht gestört werden. Nehmt euch Windelmüllbeutel mit. Die Mitreisenden werden es euch danken.

Kinder bei Laune halten

Fingerspiele und Reisespiele sind nach wie vor bei Kindern sehr beliebt. „Ich sehe was, was du nicht siehst“ ist ein alter Klassiker. Auch das Bordmagazin kann als Wimmelbuch herhalten. Kleine Kinder und Babys spielen gerne mit allem, was neu ist. Das kann ein kleiner Spiegel sein oder ein kostenloser Katalog vom Duty-Free-Shop. Auf Langstreckenflügen bekommen Kinder auf Nachfrage oft kleine Geschenk-Sets mit Malsachen o.ä.

Ansonsten ist das Flugzeug an sich schon spannend und vor allem auch die Mitreisenden. Ich war überrascht, wie positiv viele auf Kinder reagieren. Manchmal ergaben sich regelrechte Spiel-Treffs.

Achtet aber vor allem wieder auf die Bedürfnisse: Toilettengang, Bewegung, aber auch Mahlzeiten und Schlaf. Dabei dürfen Ausnahmen gemacht werden: Ein Flugzeug ist kein geeigneter Erziehungsort. Bedenkt, dass sowohl ihr, als auch euer Nachwuchs praktisch auf dem Silbertablett sitzt. Im Rahmen von Respekt und Rücksichtnahme könnt ihr mit gutem Urlaubs-Gewissen eure sonstigen Regeln lockerer sehen. Das Kind möchte noch eine Süßigkeit oder einen Film schauen? Geht Kompromisse ein und seid gnädig mit euch und Mitreisenden.

Bereits am Flughafen mitdenken

Die Kinder sollen sich viel bewegen, solange sie können. Achtet schon hier auf eure Grundbedürfnisse und die eurer Kinder (Hunger, Müdigkeit, Reizüberflutung oder Langeweile). Nutzt die Toiletten und zieht euch passend für den Flug an. Dadurch lässt sich der meiste Stress umgehen. Nehmt Hilfe an oder fragt danach: Ihr seid nicht die ersten, die mit Kind fliegen und die meisten Menschen sind freundlich und den Kindern zugewandt.
Ich habe unsere Tochter sicherheitshalber immer im aktuellen Outfit fotografiert und ihr ein Notfall-Kontakt-Armband angezogen. Wäre sie im Trubel verloren gegangen, hätte ich direkt aktuelle Bilder und eine genaue Beschreibung für die Suche. Zum Glück war das nie notwendig. Behaltet eure Kinder stets im Blick und klärt die Zuständigkeit für Verantwortung, wenn ihr euch aufteilt.

Den Plan anpassen

Warum macht ihr das alles überhaupt? Wahrscheinlich fliegt ihr in den Urlaub. Verliert das nicht aus den Augen. Alle möchten schließlich möglichst entspannt ankommen.
Gut vorbereitet und informiert zu sein, gibt Sicherheit und ist hilfreich. Eine Garantie für einen reibungslosen Ablauf gibt es aber nicht. Bleibt daher realistisch und überlegt, was ihr machen möchtet, wenn der Plan nicht funktioniert.
Die Eindrücke bei der Anreise zum Flughafen, der Flughafen an sich und das Flugzeug wirken nicht nur auf euch. Für Kinder kann es interessant und spannend, aber auch aufregend und stressig sein. Ihr tut also gut daran, wenn ihr möglichst gelassen und flexibel reagieren könnt.

Plant Pausen ein:

  • Wo am Flughafen kann gespielt und gerannt werden?
  • Wo können die Kinder ihrem Bewegungsdrang nachgehen?
  • Wo ist es eher ruhig und entspannt, falls ein Powernap nötig ist?
  • Wo sind die Toiletten und Wickelräume?

Macht gerne eine kleine Besichtigungstour, wenn ihr die Zeit am Flughafen dazu habt. Auch, wenn unterschiedliche Sprachen gesprochen werden, spielen Kinder schnell miteinander. Das können sie erstaunlich gut!

Älteren Kindern könnt ihr bereits zuhause auf die Abläufe im Flughafen vorbereiten, darüber sprechen oder sogar nachspielen. Erklärt ihnen jeweils unmittelbar vor dem Geschehen am Flughafen, was als nächstes passiert und was wichtig ist (z.B. Security-Check).

Positiv denken

Auch wenn im Internet oft viel Negatives zu lesen ist, habe ich fast ausschließlich gute Erfahrungen gemacht. Die meisten Fluggäste sind freundlich und auch die Besatzung bespaßt die kleinen Mitreisenden gerne. Egal ob Wasser, eine neue Decke oder ein zusätzliches Kissen: Unsere Wünsche wurden erfüllt.

Wenn ihr euch also vorbereitet und ein paar Gedanken macht, sind Flugreisen leichter als gedacht. Und vor allem Babys machen Flüge erstaunlich gut mit. Sie sind ein Nomadenleben von Natur aus gewöhnt. Achtet nur regelmäßig auf Reizabschirmung und ggf. sogar Kopfhörer. Legt euch einen „Plan B“ zurecht bzw. bleibt flexibel, wenn etwas nicht so läuft wie geplant. Fragt gezielt nach Hilfe, wenn ihr sie braucht oder nehmt Hilfe an, wenn euch jemand zuvorkommt. Bleibt offen und neugierig für Kontakte. Ganz nebenbei können eure Kinder dann noch etwas Stressmanagement von euch lernen : )

Ich wünsche euch einen guten Flug!

Astrid Gisse ist Sozialpädagogin und Coachin sowie Mutter einer Vierjährigen und Travelfreak.
astrid-gisse-coaching.de

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