
Pflegekinder sind in ihren Herkunftsfamilien häufig mit instabilen väterlichen Bezugspersonen konfrontiert worden. Somit sind Pflegeväter von besonderer Bedeutung: Sie ermöglichen Pflegekindern neue, positive Erfahrungen mit einer Vaterfigur zu sammeln.
Dennoch werden Pflegeväter im Diskurs über Pflegefamilien noch immer zu wenig beachtet. Die gesellschaftliche Vorstellung, Sorgearbeit sei primär weiblich, wirkt fort – mit der Folge, dass männliche Pflegepersonen häufig als „Begleitfiguren“ wahrgenommen oder ihre Motive infrage gestellt werden. Aussagen wie „Du machst das ja nur, weil deine Frau das möchte“ sind Ausdruck solcher tradierten Rollenbilder.
Dabei übernehmen viele Männer die Rolle des Pflegevaters aus bewusster Entscheidung – mit Verantwortung, emotionaler Präsenz und großem Engagement. Sie sind zentrale Bezugspersonen für Kinder, die nicht in ihrer Herkunftsfamilie leben können und gestalten den Alltag aktiv mit. Pflegekinder profitieren nachweislich von mehreren stabilen, verlässlichen Bindungen – unabhängig vom Geschlecht der Bezugsperson.
Boris (Pflegevater):„Ich unternehme oft Sachen nur mit unserer Pflegetochter, ohne alle anderen Familienmitglieder. Wir haben Rituale wie das abendliche Gassigehen mit dem Hund. Diese Zeit fordert sie ein.“
Die Rolle des Pflegevaters fordert nicht nur Erziehungskompetenz, sondern auch Selbstreflexion, Geduld und Offenheit gegenüber biografisch bedingten Herausforderungen der Kinder. Viele Pflegeväter berichten, dass sie durch ihre Aufgabe persönlich wachsen – in innerer Haltung, Kommunikationsfähigkeit und Beziehungsarbeit.
Auch queere Pflegekonstellationen zeigen: Fürsorge ist keine Frage des Geschlechts, sondern der Haltung. In Pflegefamilien ohne Mutterrolle wird deutlich, dass Männer Fürsorge ebenso selbstverständlich und kompetent leisten können – unabhängig von gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen.
Pflegeväter sind keine Randfiguren, sondern tragende Säulen im Leben von Kindern, die Sicherheit, Stabilität und Zuwendung brauchen. Ihre Rolle verdient Sichtbarkeit, Anerkennung und eine differenzierte Wahrnehmung – auch im fachlichen Diskurs.
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Paula Schlau ist als Sozialpädagogin im Fachdienst Betreuungs-familien Darmstadt bei Projekt PETRA tätig.
