
Hand aufs Herz: Wie oft am Tag schaut ihr auf euer Smartphone? Bei unseren Kindern ist die Antwort laut der aktuellen JIM-Studie 2025 eindeutig: Fast vier Stunden verbringen 12- bis 19-Jährige durchschnittlich am Smartphone.
Das Gerät ist das Tor zur Welt – und das steht ihnen mit allen Chancen und Risiken sperrangelweit offen. Früher stritten wir über zu viel Fernsehen, heute ist die digitale Welt komplexer.
Der KI-Durchbruch: Künstliche Intelligenz ist im Alltag angekommen. KI-Anwendungen werden nicht mehr nur zum „Rumspielen“ genutzt, sondern sind zum festen Begleiter für Hausaufgaben (74 %) und die Informationssuche (70 %) geworden. Nach Google und weiteren Suchmaschinen ist ChatGPT das am zweithäufigste Recherche- und Informationstool bei den Jugendlichen. Als vertrauenswürdig werden die KI-generierten Nachrichten jedoch nicht immer eingeschätzt. Sie enthalten häufig Fehler.
Welt der Apps: WhatsApp ist für Jugendliche besonders wichtig (84 %). Die Beliebtheit von Instagram (33 %), Snapchat (24 %), TikTok (23 %) und YouTube (20 %) liegt hinter WhatsApp.
Zwischen Bildschirmzeit und Selbstregulierung: Fast zwei Drittel der Jugendlichen geben an, dass sie sich eigentlich wünschen, weniger Zeit am Handy zu verbringen. Sie spüren den Stress der permanenten Erreichbarkeit, finden aber oft nicht allein den „Aus“-Knopf.
Risiken im Netz: Immer mehr Kinder und Jugendliche stoßen im Internet auf riskante Inhalte. Laut der aktuellen Studie berichten 67 Prozent der Jugendlichen, im vergangenen Monat Fake News gesehen zu haben. Auch die Zahl der Jugendlichen, die ungewollt mit pornographischen und verschwörungstheoretischen Inhalten konfrontiert werden, wächst (28 %).
Wenn das Smartphone mit an den Esstisch wandert oder die Hausaufgaben im Minutentakt durch Push-Nachrichten unterbrochen werden, liegen die Nerven oft blank. Doch statt strikter Verbote hilft meist nur Beziehungsarbeit statt Bestrafung. Für euer Kind ist das Smartphone kein „Spielzeug“, sondern der soziale Knotenpunkt. Wer offline ist, ist (gefühlt) unsichtbar. Erkennt man diesen Stellenwert an, fällt der Dialog leichter. Vereinbart klare bildschirmfreie Zeiten für alle Familienmitglieder – zum Beispiel beim Essen oder eine Stunde vor dem Schlafengehen. Nutzt Funktionen wie zum Beispiel „Bildschirmzeit“ (iOS) oder „Family Link“ (Android) nicht als Überwachung, sondern als gemeinsame Analyse: „Schau mal, du warst heute drei Stunden auf TikTok – fühlt sich das für dich gut an?“
Vorbild sein: Kinder spiegeln unser Verhalten. Wenn wir beim Abholen vom Sportverein erst mal eine WhatsApp zu Ende schreiben, bevor wir „Hallo“ sagen, signalisieren wir: Das Display ist wichtiger als das Gegenüber.
KI gemeinsam entdecken: Da ein Großteil der Jugendlichen KI nutzt, sollten wir wissen, wie sie funktioniert. Lasst euch zeigen, wie euer Kind ChatGPT nutzt. Sprecht darüber, dass KI auch mal „flunkert“ und Quellen kritisch geprüft werden müssen.
Alternative „Offline-Inseln“: Ein Verbot erzeugt nur Leere. Diese Leere muss gefüllt werden! Ob gemeinsames Kochen, der Ausflug in den Wald oder das klassische Brettspiel – schafft Erlebnisse, die einen höheren „Dopamin-Wert“ haben als das nächste Reel.
Ihr müsst keine Technik-Experten sein, um eure Kinder zu begleiten – es reicht, wenn ihr interessiert, informiert und ansprechbar bleibt.

Jana Sturm, Fachberaterin Prävention der AOK Hessen
aok.de/gesundheit&bildung

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