Ein Kind ist dabei, eine Knopfbatterie in den Mund zu nehmen
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Familienleben

Kleine Batterie – große Gefahr

21.06.2025

Dr. Andreas Busch steht im Endoskopie-Raum der Darmstädter Kinderkliniken. Sanft führt er einen Schlauch durch den Mund in die Speiseröhre eines Jungen.

Am Ende ist eine Kamera mit Licht. „Damit kann ich die Speiseröhre ausleuchten und untersuchen“, erklärt der Oberarzt. Sein kleiner Patient ist vier Jahre alt. „Als wir im Wohnzimmer saßen, hustete er, seine Augen tränten“, erzählt die Mutter. Als sie die heruntergefallene Fernbedienung auf dem Teppich sieht, handelt die Frau schnell und fährt in die Notaufnahme. Das Ergebnis: Der kleine Patient hat eine Knopfzellbatterie verschluckt – 20 mm groß.

Passiert das, bleibt die Batterie in den meisten Fällen in der Speiseröhre (Ösophagus) stecken. Am Computer zeigt Mediziner Dr. Busch auf Bilder verletzter Speiseröhren: Die Knopfzellen haben zu grünlich-grauen Verletzungen geführt. „An der feuchten Schleimhaut entlädt sich die Batterie – es fließen starke Ströme, die das Gewebe zerstören“, so Dr. Busch. „Wird die Batterie nicht rechtzeitig entfernt, frisst sie regelrecht ein Loch in die Speiseröhre des Kindes“. Es drohen narbige Verengungen und Schluckstörungen bis hin zu lebensbedrohlichen Infektionen im Brust- und Bauchraum.

Laut Fachgesellschaft der Kindergastroenterologen und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin nehmen solche Fälle zu. Denn Knopfzellbatterien kommen überall vor: in Spielzeugen, Fernbedienungen, Fieberthermometern, Büchern mit Ton oder LED-Lichtern. Meist verschlossen und nur mit Werkzeug zu öffnen. Ist das nicht der Fall, gilt Vorsicht. Ein Vergleich von 65.000 Fällen zeigte: besonders gefährdet sind Kinder unter 6 Jahren. Allein in der Darmstädter Kinderklinik waren innerhalb einer Woche im Januar dieses Jahres fünf Kinder, die eine Knopfzellbatterie verschluckt hatten. Auf dem Röntgenbild des Jungen ist die Knopfzelle sichtbar: kreisrund und hell leuchtet sie, in der Speiseröhre auf Höhe des Herzens. „Ein medizinischer Notfall“, betont Mediziner Busch. „Verletzungen können schon nach 15 Minuten bis zu zwei Stunden auftreten.

Die Knopfzelle muss sofort raus.“
Schluckt ein Kind die Batterie, zeigt es in der Regel Husten, Würgen, Schluckbeschwerden oder Speichelfluss. Eltern sollten ihrem Kind dann kein Wasser zu trinken geben! Helfen können zwei Teelöffel Honig alle zehn Minuten – auf dem Weg in die Klinik und nur bei Kindern, die älter sind als 1 Jahr. Der Honig legt sich um die Batterie und kann die schädigende Reaktion im Körper eindämmen.

Gerade Kleinkinder erkunden ihre Umgebung oral. Sie stecken kleine oder große Gegenstände in den Mund – schneller, als man reagieren kann. Bezugspersonen sollten Knopfzellen niemals herumliegen lassen.

Dr. Andreas Busch

Autor:
Dr. Andreas Busch, Darmstädter Kinderkliniken.
www.kinderkliniken.de

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