Erwachsene im Gespräch an einem Tisch
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Familienleben

Etwas Positives beizutragen ist schon sehr viel wert

12.05.2026

Elternbeirat – das klingt für viele nach Sitzungen, E-Mail-Verteilern und organisatorischem Aufwand. Für Katja Leißner ist es vor allem eine Chance: nah dran zu sein am Schulalltag, Gemeinschaft aktiv mitzugestalten und Brücken zwischen Eltern, Kindern und Schule zu bauen. Im Gespräch erzählt sie, warum sie sich engagiert, wie gerade in herausfordernden Zeiten Zusammenhalt entstehen kann – und weshalb oft schon kleine Aktionen viel bewirken können.

Was hat dich motiviert, dich zu engagieren?
Ich war schon einmal im Kindergarten Elternbeirat, das ist allerdings lange her. Damals war das alles noch sehr überschaubar und eher „kuschelig“. In der Grundschule habe ich mich dann gar nicht engagiert, weil ich in der Kita schon mehrere Jahre aktiv war.

Als meine erste Tochter auf die weiterführende Schule gekommen ist, habe ich mich bewusst wieder dafür entschieden. Sie war mein erstes Kind an einer so großen Schule, und generell ist es bei uns so, dass meine Kinder mir nicht immer viele Informationen aus dem Schulalltag weitergeben. Ein wichtiger Beweggrund war also: Wenn ich im Elternbeirat bin, bekomme ich selbst mehr mit und weiß besser, was an der Schule passiert.

Der zweite Grund ist, dass ich mich grundsätzlich gern für die Gemeinschaft engagiere – das war schon in der Kita so und zeigt sich auch in anderen Bereichen. Schule ist heute mehr denn je ein Ort, an dem Gemeinschaft eine große Rolle spielt. Viele Schulen bemühen sich, Eltern einzubinden, auch wenn das aus meiner Sicht noch nicht immer echte Partizipation im Sinne der gesetzlichen Möglichkeiten ist. Trotzdem kann der Elternbeirat viel dazu beitragen, dass eine Klassengemeinschaft gut funktioniert.

Welches konkrete Problem habt ihr angepackt, das jetzt besser läuft?
Zu Beginn hatten wir tatsächlich die Situation, dass wir direkt in die Corona-Zeit hineingekommen sind. Das war natürlich eine besondere Herausforderung. In dieser Phase war es sehr hilfreich, dass wir bereits einen gut funktionierenden E-Mail-Verteiler für alle Eltern der Klasse hatten. Viel lief damals über E-Mail, teilweise auch über eine WhatsApp-Gruppe – wobei ich sagen muss, dass ich davon nicht unbedingt der größte Fan bin.

Gerade am Anfang war vieles noch neu und lief nicht reibungslos. Der Unterricht bestand zunächst oft daraus, dass Aufgaben per E-Mail verschickt wurden, und es hat an vielen Stellen noch gehakt. Teilweise hatten Kinder auch gar kein eigenes Gerät zur Verfügung, mit dem sie arbeiten konnten.

In dieser Zeit konnten wir als Elternbeirat aber gut unterstützen. Wir haben innerhalb der Klasse organisiert, dass Geräte verliehen wurden, und insgesamt eine Art niedrigschwelligen Support aufgebaut. Es ging vor allem darum, alle Kinder in die digitalen Systeme wie Teams oder die Schulcloud zu bringen – auch diejenigen, deren Eltern sich damit weniger auskannten. Uns war wichtig, dass niemand außen vor bleibt. Ich finde, da haben wir wirklich gut zusammengearbeitet und gemeinsam viel möglich gemacht.

Ein weiteres Thema war, dass wir relativ spontan eine neue Klassenlehrerin bekommen haben. Einige Kinder und auch Eltern waren zunächst etwas irritiert oder verunsichert durch ihre Art. Als Klassenelternbeirat habe ich dann Rückmeldungen aus der Elternschaft eingeholt, quasi eine Art Umfrage gemacht, um ein vollständigeres Bild zu bekommen. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Wahrnehmungen durchaus unterschiedlich waren und nicht alle die Situation gleich erlebt haben. Ich habe daraufhin auch das Gespräch mit der Lehrerin gesucht. Ich denke, das hat letztlich zur Verbesserung der Klassensituation beigetragen. Unter anderem gab es für die Klasse noch eine Gruppenmaßnahme zur Förderung des Zusammenhalts, die so nicht geplant war.

Was war eure erfolgreichste Aktion, euer schönstes Event?
Ich glaube, man muss da gar keine allzu hohen Erwartungen haben. Schon wenn man es schafft, etwas Positives zur Klassengemeinschaft beizutragen, ist das sehr viel wert. Es geht oft gar nicht um große Aktionen. Wenn man zum Beispiel einfach mal ein Picknick organisiert, ist das schon ein Anfang. Natürlich kommen nie alle Eltern, das ist ganz normal. Aber die, die kommen, bekommen zumindest die Möglichkeit, sich kennenzulernen.

Ich denke, das ist in der Grundschule vielleicht noch etwas wichtiger, aber auch in der weiterführenden Schule, gerade in der Unter- und Mittelstufe, spielt das eine große Rolle. Die Kinder kommen ja oft aus unterschiedlichen Orten und Zusammenhängen. Umso wichtiger ist es, dass man als Eltern wenigstens Gelegenheiten schafft, sich auch mal persönlich zu begegnen.

Wir haben zum Beispiel mehrere Treffen zusätzlich zu den Elternabenden organisiert. Auch da waren nicht alle dabei, aber doch einige – und genau darum geht es ja: eine Plattform zu bieten, auf der man sich sehen und ins Gespräch kommen kann.

Ich glaube auch, dass das einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Mobbing leisten kann. Wenn Eltern sich kennen oder zumindest schon einmal gesehen haben, fällt es leichter, miteinander in Kontakt zu treten. Die Hemmschwelle ist deutlich niedriger, als wenn man nur eine Liste mit Namen hat und dann eine völlig fremde Person anrufen muss. Wenn es dann zum Beispiel um Situationen zwischen den Kindern geht, kann man viel eher sagen: „Meine Tochter hat mir das und das erzählt, wie siehst du das?“ Diese direkte Kommunikation finde ich sehr wichtig.

Was sind die größten Schwierigkeiten bei eurer Arbeit als Elternbeirat?
Ich finde, die größten Schwierigkeiten liegen tatsächlich darin, die eigene Rolle gut zu reflektieren. Man wird mit ganz unterschiedlichen Erwartungen konfrontiert. Ich habe es zum Beispiel erlebt, dass manche Eltern – oft Mütter – erwartet haben, dass ich so eine Art Anwältin für einzelne Anliegen bin und Dinge für sie kläre. Aber das ist ja nicht die Aufgabe eines Elternbeirats.

Natürlich kann man unterstützen, etwa wenn Eltern bei Gesprächen mit Lehrkräften verunsichert sind. Dann kann man anbieten, mitzugehen oder zu begleiten. Aber man übernimmt nicht stellvertretend alles und regelt Dinge allein für einzelne Personen. Solchen Erwartungen bin ich aber durchaus begegnet, und das fand ich schwierig.

Eine weitere Herausforderung sehe ich eher auf einer übergeordneten Ebene, zum Beispiel im Schulelternbeirat oder Stadtelternbeirat. Da ist es manchmal nicht einfach, damit umzugehen, wenn engagierte Personen vor allem eigene Interessen verfolgen. Man bekommt dann den Eindruck, dass es weniger um die Gemeinschaft geht, sondern eher darum, Vorteile für das eigene Kind zu erreichen.

Das ist kein ganz seltenes Phänomen, gerade wenn sich sonst nicht viele für Elternarbeit zur Verfügung stellen. Dann lassen sich manchmal Personen wählen, die einen sehr engen Blick haben und vor allem den Kontakt zu Lehrkräften suchen, um für ihr eigenes Kind etwas zu erreichen. Das finde ich schwierig. Wichtig ist, solche Dynamiken zu erkennen und einen guten Umgang damit zu finden.

Welche Tipps kannst du geben?
Prinzipiell ist es oft so, dass man eher zufällig in die Situation kommt – man sitzt auf dem Elternabend, es heißt, es muss gewählt werden, und viele schauen erst einmal weg. Aber man kann sich natürlich auch schon vorher Gedanken machen, ob man sich das vorstellen kann, gerade wenn man sich grundsätzlich dafür interessiert.

Es gibt auch verschiedene Unterstützungsangebote, zum Beispiel kostenlose Webinare, etwa von ELAN. Dort bekommt man einen guten Überblick über die Grundlagen – wie Elternabende ablaufen, welche Aufgaben es gibt oder welche Gremien an der Schule existieren. Viele wissen zum Beispiel gar nicht, dass man sich auch in der Schulkonferenz engagieren kann. Dort wird tatsächlich abgestimmt, und man hat eine echte Möglichkeit, Einfluss zu nehmen – auch ohne zwingend im Elternbeirat zu sein.

Was ich außerdem wichtig finde: Wenn möglich, sollte man sich zusammentun. Also schon im Vorfeld überlegen, ob es vielleicht noch jemanden in der Klasse gibt, mit dem man sich das gemeinsam vorstellen kann. Es ist hilfreich, Menschen an der Seite zu haben, mit denen man gut klarkommt, Aufgaben aufteilen kann und sich unkompliziert austauschen kann – gerade, wenn es Herausforderungen gibt oder Entscheidungen anstehen.

Letztlich ist es auch so: Wenn sich niemand engagiert, fehlt der Klasse oft ein wichtiger Informationskanal. Gerade für Eltern, deren Kinder nicht alles aus dem Schulalltag erzählen, kann der Elternbeirat eine gute Möglichkeit sein, besser informiert zu bleiben.

Was ich auch noch wichtig finde: Wenn man Klassenelternbeirat ist, gehört es ja zu den Aufgaben, zu Elternabenden einzuladen. Manchmal übernehmen das die Lehrkräfte in Absprache und man leitet es nur weiter, aber oft muss man sich auch selbst darum kümmern oder zumindest nachhaken.

Mir ist dabei wichtig, die Eltern möglichst einzubinden. Es ist klar, dass nie alle kommen werden, aber man kann trotzdem versuchen, es etwas partizipativer zu gestalten. Zum Beispiel, indem man im Vorfeld abfragt: Welche Themen sind euch wichtig? Gibt es etwas, das besprochen werden soll? Oder möchte man vielleicht auch eine Fachlehrkraft gezielt einladen? So schafft man eher eine Gesprächsbasis, anstatt dass nur einzelne sprechen und die anderen zuhören.

Auch ein Protokoll finde ich sehr sinnvoll. Es muss nichts Großes sein, aber jemand sollte mitschreiben. Wenn man selbst den Abend moderiert, ist das oft schwierig, deshalb kann man auch andere Eltern dafür einbinden. So kann man die wichtigsten Punkte im Nachgang an alle weitergeben. Das sorgt für Transparenz und kann auch den einen oder anderen motivieren, beim nächsten Mal teilzunehmen.

Ich habe dabei ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht: Manche Lehrkräfte organisieren Elternabende sehr eigenständig, laden ein und geben Informationen weiter. Bei anderen muss man eher dranbleiben und nachhaken.

Darüber hinaus finde ich es sinnvoll, auch den Kontakt zu den übergeordneten Gremien zu suchen. Wenn man Klassenelternbeirat ist, kann man zum Beispiel den Austausch mit dem Schulelternbeirat suchen – etwa im Rahmen von Sitzungen oder einfach per E-Mail. Und darüber hinaus gibt es ja auch noch den Stadtelternbeirat als nächste Ebene.

Was nervt am meisten?
Was manchmal schwierig ist: Man ist im System gefangen ist fühlt sich in der Rolle auch ein Stück weit gebunden. Große Veränderungen kann man in der Regel nicht bewirken. Erfolge gibt es eher im Kleinen – innerhalb der eigenen Klasse oder bei einzelnen Themen. Insgesamt hat man es aber mit einem recht starren System zu tun, in dem die eigenen Mitwirkungsmöglichkeiten begrenzt sind.

Ein Tipp, den ich im Nachhinein geben würde: Ich würde mich frühzeitig auch einmal mit den rechtlichen Grundlagen beschäftigen. Das habe ich anfangs selbst nicht gemacht, würde es heute aber anders angehen. Ein Blick ins Hessische Schulgesetz lohnt sich, denn dort ist einiges zur Mitwirkung von Eltern geregelt. Dieses Wissen im Hinterkopf zu haben, kann in der Praxis sehr hilfreich sein.

Katja Leißner hat langjährige Erfahrungen als Elternbeirätin: EB in der Kita, seit sechs Jahren EB und Schul-EB in der weiterführenden Schule ihrer beiden Töchter, seit sechs Jahren im Stadtelternbeirat, dessen Vorsitzende sie seit Dezember 2025 ist.

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