
Vom 6. bis 8. Februar waren die „Welttage ohne Mobiltelefon und Smartphone“. Ich weiß das, weil ich dieses Jahr unfreiwillig daran teilgenommen habe: Ausgerechnet auf dem Weg in den Urlaub war es plötzlich weg, mein Handy.
Nach einer kurzen Pause auf irgendeinem Parkplatz konnte ich es nicht mehr finden. Sämtliche Suchaktionen der gesamten Familie bei den folgenden Pausen verliefen erfolglos. Ich konnte an nichts anderes mehr denken und fragte mich: „Besitze ich tatsächlich mein Smartphone – oder besitzt mein Smartphone mich?“.
Im Urlaub angekommen, recherchierte ich mit dem Handy meines Weggefährten, was ich jetzt tun kann, und es führte mich zu einem Artikel über die aktuellen Welttage und „warum es gut ist, das Smartphone auch mal auszuschalten“: Der Akku lädt besser auf, das Betriebssystem wird entlastet, Schwachstellen behoben, das Handy reagiert wieder schneller. Klingt logisch. Aber ich überlege, wann ich das machen soll: Nachts ist ungünstig, denn das Teil ist mein Wecker. Und tagsüber ist auch schlecht; ich muss ja erreichbar sein. Und dann brauche ich das Handy auch noch zum Fotos machen und Weg finden und so.
Einfach mal abschalten. Das wünsche ich mir auch für mich selbst. Den Akku aufladen und das Betriebssystem entlasten. Weil auch ich manchmal merke, dass mein Arbeitsspeicher ganz schön voll ist von all den Eindrücken, die auf mich einprasseln. Doch wie beim Handy frage ich mich auch bei mir selbst: Wann soll ich bei all den ToDos auch noch den Ruhemodus unterbringen?
Zum Glück gibt es was, das mir dabei hilft. Der Sonntag zum Beispiel. Oder die Fastenzeit. Jetzt in den sieben Wochen vor Ostern üben sich viele Christen im Verzicht: auf Schokolade, Alkohol, Fleisch oder ungesunde Verhaltensweisen. Und auch die Muslime haben im März gefastet. Der Theologe Johann Baptist Metz hat gesagt: „Die kürzeste Definition von Religion ist Unterbrechung.“ Zum Glück und Gott sei Dank ist mein Handy wieder aufgetaucht – zwei Tage später in einem mir bisher unbekannten Seitenfach meines Rucksacks. Ich glaube aber, ich werde jetzt in der Fastenzeit und darüber hinaus trotzdem immer mal wieder freiwillig abschalten.
Einen Tag lang oder einen halben oder ein paar Stunden offline gehen und alles sein lassen. „Du sollst den Feiertag heiligen!“, steht schon in der Bibel. Weil Gott nach der Schöpfung auch erstmal geruht hat. Die Verfasser der Bibel wussten schon vor Internetartikeln und Welttagen ohne Mobiltelefon: Pausen sind wichtig!

Autorin:
Janina Franz ist Pfarrerin der Ev. Gesamtkirchengemeinde Gießen Ost und dort u.a. für die Arbeit mit Kinder und Familien und die beiden Familienzentren zuständig.
www.giessen-ost.de
