Ein Mädchen das mit Schminke spielt
Familienleben

Die unterschätzte Gefahr von Kinderkosmetik

25.09.2025

Heute hat Lea ihren 10. Geburtstag. Ihre Freundinnen und Freunde wurden gerade von ihren Eltern abgeholt und sie setzt sich mit ihrer Familie am Abend hin, um noch mal dem Geschehenen Raum zu geben.

Die Feier mit ihren Freunden war wundervoll und sie freut sich, jetzt auch den Eltern ihre Geschenke zu zeigen. Ihre beste Freundin Laura hat ihr ein Duschgel geschenkt, von Luisa hat sie ein Masken-Set bekommen, Emilia hat Nagellack und Lippenstift mitgebracht und Lina hat ein Cleansing Gel für sie gekauft. Nun darf Lea leider diese Kosmetika nicht nutzen, da sie Allergien hat. Solche oder ähnliche Situationen spielen sich oft in unserem Alltag ab.

Die Kosmetikindustrie hat Kinder als Zielgruppe schon lange entdeckt. Mithilfe von Influencerinnen werden in den letzten Jahren gezielt schon ganz junge Mädchen angesprochen, um Hautpflege, Make-up-Sets und andere Kosmetik zu verkaufen. Instagram, TikTok, YouTube präsentieren vieles Schminkvideos von jungen Mädchen zum Nachmachen. Und im Spielzeugladen oder in der Drogerie locken glitzernde Kinderschminkprodukte und Hautpflegesets in allen Farben und Formen.

Die Zeiten haben sich geändert. Wenn man früher mit 15, 16 oder 17 angefangen hat, sich über diese Dinge Gedanken zu machen, wird das heute Dank der sozialen Medien beschleunigt: Das Marketing hat auch schon die Fünf- und Sechsjährigen als Zielgruppe entdeckt.

Nun, zum Glück sind unsere Kinder nicht ganz den Einfluss von außen ausgeliefert. Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht: Kinder imitieren Erwachsene. Beinahe unbemerkt beobachten sie uns mit ihren kleinen Augen, studieren unsere Lebensart, leeren unsere Schubladen, nutzen unser Duschgel oder Parfüm, verinnerlichen unsere Worte und Meinungen und übernehmen sogar unser Verhaltensmuster. Besonders in den ersten fünf Lebensjahren imitieren Kinder alles, was sie bei Erwachsenen beobachten. Obwohl wir wissen, dass Kinder niemals exakte Kopien ihrer Eltern sein werden, hinterlassen wir dennoch einen ganz entscheidenden Abdruck in ihrem Leben.

Kosmetik für Kinder kann der Haut schaden
Seit den 1980er Jahren werden Kinder zunehmend mit sensibler Haut geboren. Wir erleben zur Zeit schon bei kleinen Kindern einen großen Schub an Unverträglichkeiten und Allergien. Deshalb ist es so wichtig, genau hinzuschauen. Wie verträglich sind solche Produkte für die empfindliche Kinderhaut? Dr. Philipp Marcel Buck, Hautarzt aus Hamburg, stellt klar: „Ein Kind braucht eigentlich – wenn es keine Hautkrankheit hat – als einzige Creme eine Sonnencreme, und das war’s.“

Besonders ungünstig seien Duftstoffe, die gerne verwendet werden, um Kinder anzulocken. Auch der Chemikalien-Experte des Bunds für Umwelt und Naturschutz, Manuel Fernandez, warnt vor zu viel Chemie in Kosmetik: „Es kommen auch ständig immer neue Stoffe auf den Markt, und die zuständigen Kontrollbehörden können nicht Schritt halten mit der Marktentwicklung.“

Gefährlich für Kinder sei auch Mikroplastik, das in sehr vielen Produkten enthalten ist. Man wisse, dass Mikroplastik im Körper Entzündungsreaktionen verursachen kann.

Fünf Tipps für Eltern: So lassen sich Kinder schützen

• Weniger ist mehr: Meine Empfehlung ist, bei Kindern auf solche Produkte generell zu verzichten. Wer nicht ganz darauf verzichten möchte, sollte es nur in Maßen oder zu besonderen Anlässen benutzen. Und dann sollte man auf Naturkosmetik zurückgreifen.

• Altersgerechte Produkte wählen: Wenn Kinder unbedingt Kosmetik ausprobieren wollen, achten Sie darauf, dass die Produkte speziell für empfindliche Kinderhaut entwickelt wurden und frei von bedenklichen Inhaltsstoffen sind. Wählen Sie – wenn möglich – zertifizierte Naturkosmetik.

• Alternativen anbieten: Es gibt viele kinderfreundliche Alternativen zu herkömmlicher Kosmetik – wie beispielsweise Nagellack auf Wasserbasis, Lipgloss ohne Farbstoffe oder Kosmetikpflege ohne künstliche Aromen. Auch ein einfaches Gesichtswasser oder eine pflegende Creme kann den „Beauty-Drang“ auf sichere Weise befriedigen. Oder: Man rührt einfach mal wieder eine Gesichtsmaske aus Joghurt und Gurken an – ganz natürlich, ohne künstliche Stoffe oder Chemikalien.

• Vorbild sein: Kinder lernen durch Nachahmung. Wenn Sie ein gesundes Verhältnis zu Kosmetik und Selbstpflege vorleben, werden Ihre Kinder dieses Verhalten übernehmen. Erklären Sie, warum Sie bestimmte Produkte verwenden und warum man achtsam mit seiner Haut umgehen sollte.

• Gespräche über Selbstakzeptanz führen: Nutzen Sie das Interesse an Schminke als Gelegenheit, um mit Ihren Kindern über Themen wie Selbstwertgefühl und Körperakzeptanz zu sprechen. Vermitteln Sie, dass Schönheit von inneren Werten kommt und nicht von einem perfekt geschminkten Gesicht abhängt.

    Kosmetikprodukte für Kinder mögen verlockend sein, doch es ist wichtig, die Risiken im Auge zu behalten.

    Natalia Heinrich-Braun

    Autorin:
    Natalia Heinrich-Braun, Inhaberin des Kosmetik-instituts „Académie de Beauté“ in Heuchelheim
    www.academie-de-beaute.de

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