Symbolbild: Zwei Personen schieben zwei zusammenpassende Puzzlestücke zusammen. Darüber steht "Förderverein"
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Familienleben

Der eigene Förderverein – so wichtig und so einfach

12.05.2026

Interview mit Martin aus Nidderau, der einen Förderverein für eine Kita gegründet hat

Du hast einen Förderverein für die Grundschule gegründet. Wie kam es überhaupt dazu?
Der Impuls kam ganz klar aus meiner Arbeit im Elternbeirat. Wir waren engagiert, hatten viele Ideen – aber immer wieder sind wir an einer ganz simplen Sache gescheitert: Wir konnten keine Spendenquittungen ausstellen. Das klingt erst mal banal, ist aber ein riesiges Problem. Ohne Förderverein kann der Elternbeirat offiziell keine Spenden annehmen. Für Firmen und auch für viele Privatleute ist eine Spendenquittung aber Voraussetzung, um überhaupt Geld zu geben. Irgendwann war klar: Wenn wir wirklich etwas bewegen wollen, brauchen wir einen Förderverein.

Viele schrecken ja vor Vereinsgründungen, Satzungen und Behördengängen zurück. War das bei euch auch so?
Natürlich hatten wir Respekt davor. Vereinsgründung klingt erst mal nach viel Papierkram. Aber ganz ehrlich: Es war bei uns überhaupt kein Problem. Wir waren zu viert im Vorstand, mehr braucht es am Anfang nicht. Dazu kamen Beisitzer und ein Kassenprüfer – alles überschaubar. Ein großes Plus war auch, dass ein kostenloses Vereinskonto bei der Sparkasse oder der Raiffeisenbank möglich ist. Alles, was mit Geld zu tun hat, ist dadurch sauber und sicher geregelt. Rückblickend würde ich sagen: Die Angst ist viel größer als der tatsächliche Aufwand.

Was hat sich durch den Förderverein konkret verändert?
Das Auftreten nach außen ist ein ganz anderes. Plötzlich waren wir ein offizieller Verein mit rechtlichem Rahmen. Damit konnten wir gezielt auf Sponsoren, Stiftungen und Unternehmen zugehen. Ein Beispiel ist die Bürgerstiftung: Ohne Förderverein und Spendenquittung wäre diese Zusammenarbeit gar nicht möglich gewesen. Heute generieren wir jedes Jahr zwischen 8.000 und 12.000 Euro. Ohne Förderverein wäre das schlicht unmöglich gewesen.

Wofür wird das Geld eingesetzt?
Ganz klar: für die Kinder. Für alles, was das Budget des Trägers nicht hergibt. Wenn man durch die Schule oder die Kita geht, sieht man die Ergebnisse überall: Lernmaterialien, Spielgeräte im Außenbereich, kleine Geschenke zu Ostern, Nikolaus oder Karneval. Der Osterhase kommt, der Nikolaus auch – solche Dinge bleiben den Kindern in Erinnerung. Gleichzeitig leisten viele Eltern auch Zeit: Renovierungen, Malerarbeiten, kleinere Reparaturen. Es fehlt oft an allen Ecken und Enden. Man kann darüber schimpfen – oder man nimmt es selbst in die Hand.

Was waren eure erfolgreichsten Aktionen, um Geld zu sammeln?
Der absolute Spitzenreiter war unser Flohmarkt – rund 3.000 Euro an einem einzigen Wochenende. Dazu kommen ein Weihnachtsbasar in der Schule, Waffelstände zum Beispiel vor dem Baumarkt, Sponsorenaktionen und Vereinsvotings. Die Mischung macht’s. Wichtig ist, dass Elternbeirat und Förderverein Hand in Hand arbeiten. Nebeneinander her funktioniert das nicht.

Was hättest du gerne früher gewusst?
Dass der Förderverein im Grunde nichts anderes ist als eine logische Weiterführung des Elternbeirats – nur eben mit rechtlichem Rahmen. Der Aufwand ist überschaubar, und man braucht keinen Juristen. Satzungen kann man sich problemlos von anderen Fördervereinen abschauen, die stehen oft auf deren Homepages. Auch beim Rechenschaftsbericht wächst man schnell hinein.

Hast du dir Unterstützung geholt?
Ja, und das kann ich nur empfehlen. Wir haben uns von bestehenden Fördervereinen beraten lassen. Außerdem habe ich später selbst mehrere andere Eltern bei der Gründung unterstützt. Der Erfahrungsaustausch ist unglaublich wertvoll – und man merkt schnell: Man ist nicht allein.

Wo siehst du aktuell die größten Herausforderungen?
Ganz klar bei der Motivation. Es wird immer schwieriger, Menschen zu finden, die mitmachen. Oft verlässt man sich auf die, die ohnehin schon engagiert sind. Das ist schade – und auf Dauer nicht gesund für einen Verein. Man muss Leute aktiv ansprechen, direkt fragen, manchmal auch ein bisschen kitzeln und überzeugen. Von selbst kommt heute kaum noch jemand. Aber es lohnt sich, dranzubleiben.

Warum würdest du anderen Eltern raten, einen Förderverein zu gründen?
Weil das Ziel ein unglaublich sinnvolles ist: den Kindern ein besseres Umfeld zu schaffen. Und weil es viel einfacher ist, als viele denken. Wenn man einmal den ersten Schritt gemacht hat, öffnen sich ganz neue Möglichkeiten – finanziell, organisatorisch und auch im Miteinander. Ein Förderverein ist keine Last, sondern eine echte Chance.

Martin Hartmann

Vielen Dank an unseren Interview-Partner Martin!

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